Im Evidenzbüro

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Wenn ich mein Schicksal so abstrakt und unpersönlich hingeschrieben sehe, ist es mir immer irgendwie suspekt. Einmal im Jahr bekommt man eine Ladung vom Evidenzbüro. Dort muss man eine Nummer ziehen und die Parole aufsagen, damit man vorgelassen wird. Mein Sachbearbeiter und Zutrauer, Hashmat Hirsblech, ist emeritierter Salafist und trägt den Bart, wie es früher bei Sozialisten und Bierkutschern Mode war. Ich bin heimlich in ihn verliebt, aber er nimmt es mit dem Beamtenzölibat sehr genau. Zudem ist er auf Lebenszeit Ehrenpäderast der katholischen Liga, was durch eine prächtige Urkunde über seinem Schreibtisch belegt ist. Es bleibt mir also nichts…

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Däumlings Sturm

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In hohem Bogen spucke ich meine Zähne aus. Wie ein Regen aus Perlen fallen sie herab. Manche sagen Hagel dazu. Doch das ist Ungenauigkeit. Kein Hagel schimmert im Licht der Leuchtstoffröhre. Kein Hagel verursacht dieses vertraute Klackern auf den Bodenfliesen. Wie viel zu lange nicht geschnittene Zehennägel. Mäuse und Hamster eilen herbei, um die Zähne einzusammeln und dann wieder in den löchrigen Abflussrohren des unbenutzten Waschbeckens zu verschwinden. Das zweite Waschbecken benutze ich seit Thaddäus Tod nicht mehr. Der Däumling hat versprochen, ihn zurückzubringen, wenn ich ihm genug Zähne gebe. Also spucke ich sie jeden Abend nach dem Putzen aus….

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