Die Geschichte vom Hanf Dampf in allen Gassen

Wenn das Jahr ganz frisch ist und der Wind den Geruch von abgebrannten Böllern durch die Straßen weht, denke ich an meinen Freund Don Juan de Patapiel, mit dem ich früher jeden Jahreswechsel verbracht habe, bevor ihn der Teufel der Buchhalterei geholt hat. Er war ein großgewachsener Mexikaner mit kantigem Kinn und espressobraunen Augen.

„Nimm dich vor deinen Adjektiven in Acht!“, hätte er jetzt, da ich das hier hinschreibe, genuschelt und ein paar dicke, blaue Rauchausrufezeichen in die Luft geblasen und mahnend mit seiner Meerschaumpfeife auf mich gedeutet. Von morgens bis abends rauchte er süß duftendes Kraut in dieser Pfeife.

Mit seiner Singstimme konnte er mir die Melancholie von der Seele raspeln, doch beim Sprechen lispelte und stotterte er. Ein Mann mit mannigfaltigen Talenten, klugen Gedanken und ohne jeden Humor. In all den Jahren habe ich ihn kein einziges Mal lachen hören. Deshalb sind wir auch kein Liebespaar geworden, denn wenn einer nicht lachen kann, kann er auch nicht küssen und das ist eine wichtige Sache in der Liebe.

Sang er ein Lied, scharten sich sogleich anmutige Damen um ihn, doch sie stoben davon wie die Flugschirmchen einer Pusteblume, sobald er ihnen einen seiner verdrießlichen Küsse gab.

„Wenn ich nur küssen könnte, so wie ich singen, Maschinen bauen und Dreisatz rechnen kann!“, rief er an unserem letzten gemeinsamen Silvesterabend aus.

Der Teufel der Buchhalterei erschien und bot ihm einen schwindligen Handel an. Mit einem lauten Böllerknall verschwand Don Juan de Patapiel und nichts blieb von ihm übrig als seine Meerschaumpfeife.

Vor den Wünschen sollte man sich ebenso in Acht nehmen, wie vor den Adjektiven.