In den Tagen der Angepasstheit, wo das Essen nicht mehr blutet, die Habenichtse hingegen schon, drehen die Autoren der Edition Groschengrab den Mist des Lebens zu Perlen. Worte suchen ihren Weg ins Freie. Die Edition Groschengrab hat es sich zur Aufgabe gemacht sie einzufangen. Die Buchdeckel müssen einladend sein, denn die Texte sind widerspenstig und eigenwillig: Sie gehen nicht mit Jedem. Das Anliegen ist, ihnen einen bequemen Platz einzurichten, wo sie sich gerne lesen lassen.

AUS DEM GROSCHENGRAB

Literarisches & Aktuelles

Der dritte Rang

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Gestatten, Finkenzeller. Bertel Finkenzeller. Meines Zeichens Leiter der Süßwarenabteilung des Traditionskaufhauses Detmold & Detmold. Sie haben doch nicht vor, den Kunstgenuss, die Stille, durch ihr Gekeuche zu stören? Vielleicht möchten Sie eine Halspastille? Von hier kann man, wenn die Zuschauer dauernd husten, kaum das Lachen der Götter über das Geschehen unten auf der Bühne hören. Daran muss man immer denken. Heutzutage. Den meisten ist ja so was schnuppe. Sie sind ja bleich wie eine Schneiderpuppe. Ist es das Virus? Ist es Nervenfieber? Lassen Sie mich einmal erklären: Nichts wäre mir doch lieber, als wenn alle Menschen glücklich wären. Der Diversant,…

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Ein Stückchen Hand

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Es empfiehlt sich, in guten Zeiten zumindest einen Raum in der Wohnung mit Speckstreifen zu tapezieren, dann hat man in der Not etwas zu knabbern. Aber wer denkt schon in guten Zeiten an die Not? Da flaniert man irgendeinen Boulevard entlang oder lässt in der Abendsonne die Eiswürfel im bunten Getränk klimpern. Dabei lungert das Elend immer an der nächsten Ecke herum. Den Tipp mit den Speckstreifen habe ich übrigens von meinem Onkel Ralf bekommen, zusammen mit einem Briefmarkenalbum. Zu meinem neunten Geburtstag. Onkel Ralf ist Experte für Drangsal. Selbst die todsicheren Dinge gehen bei ihm schief. Trotz eines Lebens…

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Fashion is my Passion

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Er trug heute wieder einmal seine fleischfarbenen Leggings. Er könne sich in ihnen besser konzentrieren; er sähe die Dinge klarer, wenn er sie trüge. Nicht einer von uns Zwölfen traute sich zu lachen, keiner wollte vortreten und sagen, was wir alle dachten: er sieht in den Dingern unmöglich aus. Die Menschen in den Dörfern, durch die wir zogen, verspotteten ihn sowieso und rotteten sich regelmäßig zusammen, um uns unter Schmähungen und Steinwürfen und Tritten aus ihren Ortschaften zu vertreiben. Unsere Standhaftigkeit und Loyalität wurden ein ums andere Mal auf die Probe gestellt, aber selbst die treuesten unter uns wurden wankelmütig,…

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Der Kriminalroman

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Man müsste, dachte sich Hagen Pelzfuß, einen Kriminalroman schreiben. Er hatte es satt, Sonntag für Sonntag betuliche Lyrik für die Lokalzeitung zu verfassen. Wenn er nur daran dachte, wie die zuständige Redakteurin die altrosa geschminkten Lippen beim Lesen seiner Verse kräuselte, stieg ihm das Erbrochene im Hals hoch. Bis zu dem stand ihm leider auch das Wasser, so dass er auf den Scheck der widerlichen Scharteke angewiesen war. Der Kriminalroman, dachte sich Hagen Pelzfuß, müsse regionalen Bezug haben, und eine schlaue Kommissarin, die gleichzeitig Landesmeisterin im Kickboxen war. Doch um so einen Roman zu schreiben, brauchte man Zeit und Muße…

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