In den Tagen der Angepasstheit, wo das Essen nicht mehr blutet, die Habenichtse hingegen schon, drehen die Autoren der Edition Groschengrab den Mist des Lebens zu Perlen. Worte suchen ihren Weg ins Freie. Die Edition Groschengrab hat es sich zur Aufgabe gemacht sie einzufangen. Die Buchdeckel müssen einladend sein, denn die Texte sind widerspenstig und eigenwillig: Sie gehen nicht mit Jedem. Das Anliegen ist, ihnen einen bequemen Platz einzurichten, wo sie sich gerne lesen lassen.

AUS DEM GROSCHENGRAB

Literarisches & Aktuelles

Alte Geschichten aus Bad Sodom

By

„Störe meine Greise nicht!“ Die Stimme des Pflegedienstleiters dröhnte durch den Park, dass die Pfosten wackelten, an denen die Lautsprecher befestigt waren. Die Gruppe alter Damen zuckte unter dem Gebrüll zusammen. Einige umklammerten verängstigt ihre Turnbeutel, andere verkrochen sich hinter Formschnittbäumen und sahen voller Sorge zum geöffneten Fenster des Büros hinauf. Veronika Duschek atmete tief ein und reckte trotzig das Kinn. Heute war ihr großer Tag. Das erste Training der Damen-Beachvolleyball-Mannschaft des Seniorenwohnstifts „Eichenhain“ in Bad Sodom stand bevor, und sie würde es sich unter keinen Umständen von diesem Despoten in Birkenstocklatschen zu Nichte machen lassen. Monatelang hatte sie die…

Read More

Nüchtern und leicht

By

Ein Vogel wollte, (der Vogel rollte die Augen wie einer, der nicht wirklich will) also, ein Vogel wollte Hochzeit feiern; als er jedoch hörte, dass der Wald kein Mischwald sei, war er betrübt und begann lang- doch unaufhaltsam, seinen Entschluss im Besonderen und Entschlüsse allgemein zu hinterfragen. „Wer“, fragte er seine Braut, ohne eine Antwort zu erwarten, „wer kann mir ein Tier nennen, das Freude an Monokulturen hätte?“ „Der Borkenkäfer“, schlug seine Zukünftige vorsichtig vor. „Der Borkenkäfer liebt es einheitlich, hübsch, überschau- und berechenbar.“ „Diese speziellen Sechsbeiner zählen nicht“, wischte der Vogel den Einwand vom Tisch, denn der Verzehr von…

Read More

Bei Wasser und Brot

By

„Ich frage mich“, sagt der Mann und schlägt seinen Kragen hoch, „warum niemand dem Wasser Einhalt gebietet? So schwer kann das ja nicht sein!“ Er beugt sich vor und schöpft mit einem rosa Plastikeimerchen braune Brühe aus dem Strom, der unter seinem Fenster vorbeirauscht. Seine Wangen sind gerötet, als er den Eimer in die Kamera hält. „Sehen Sie, so geht das!“, ruft er und verschwindet im Badezimmer. Kurz darauf erscheint er wieder. In der rechten Hand hält er ein dick belegtes Schinkenbrot. „Sie sehen, ich bin auf alle Eventualitäten vorbereitet“, verkündet er stolz und hält der Reporterin das Brot entgegen….

Read More

Auch nur ein Mensch

By

Danke für die Blume, ein Sträußchen wäre auch zu viel verlangt gewesen, die kann ich gut gebrauchen. Um uns herum das blühende Leben, hinter den Fenstern wird leise gestorben. Der Ventilator bläst einen Hauch. Wer ist dran, wer ist noch nicht versorgt? Einen Ehrenplatz für all jene, die es nicht wahrhaben wollten und die trotzdem das Weite gefunden, wenn auch nicht gesucht haben. Ich sehe meinen Atem, habe ein Auge auf dich geworfen, besorgt, ob du auch vorschriftsmäßig pulsierst. Wie lauten die Vorschriften heute? die Blumenläden sind wohl noch geschlossen, anders könnte ich mir die einzelne Blume nicht erklären. (Wuchert…

Read More