In den Tagen der Angepasstheit, wo das Essen nicht mehr blutet, die Habenichtse hingegen schon, drehen die Autoren der Edition Groschengrab den Mist des Lebens zu Perlen. Worte suchen ihren Weg ins Freie. Die Edition Groschengrab hat es sich zur Aufgabe gemacht sie einzufangen. Die Buchdeckel müssen einladend sein, denn die Texte sind widerspenstig und eigenwillig: Sie gehen nicht mit Jedem. Das Anliegen ist, ihnen einen bequemen Platz einzurichten, wo sie sich gerne lesen lassen.

AUS DEM GROSCHENGRAB

Literarisches & Aktuelles

Auf dem Jahrmarkt der Einsamkeiten

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GEWINNE * GEWINNE * GEWINNE Ich kann Ihnen gar nicht adäquat vermitteln, wie glücklich ich bin, Sie hier und heute begrüßen zu können. Hier, an diesem historisch bedeutenden Ort – heute, zu dieser festlichen Stunde. Waren Sie bereits bei uns in der Praxis oder begrüßen wir Sie zum ersten Mal? Das Hier und Heute, das Hier und Jetzt, das Hic und auch das Nunc. Geschwister wie Prinzipien wie Dur und Moll, wie Ex und Hopp. Komme, wer wolle, wer hat noch nicht, wer will noch mal, komm’se rein, komm’se näher, komm’se ran! GEWINNE * GEWINNE * Gewinnen Sie, wenn andere…

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Eine andere Geschichte

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Hinter der Theke in der Fleischerei steht eine Dame mit prächtig geschminkten Lippen. Ihre meerblauen Augen blicken sanft über die Berge aus Rippchen und Würsten. Wenn sie das schwere Messer anhebt, um Schnitzel aufzuschneiden, spannen sich die Muskeln unter der Haut ihres Unterarms, ähnlich wie sich die Muskeln der Sau gespannt haben müssen, als der Viehtransporter die letzte Kurve vor dem Schlachthof nahm. Mit einer lässigen Handbewegung lässt sie Schinkenscheiben von der Fleischgabel auf die Waage gleiten und die dünnen goldenen Armreifen singen dazu, wie Kaffeebohnen, die man in ein großes Glas schüttet. An sich esse ich nicht gerne Fleisch….

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Späte Polemik gegen Nobelpreisträger G. „Ich habe das immer als Makel empfunden“ G.

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Gras gefällig? Grass, die kaschubische Nachtigall, lehnt, auf die Pfeife im eigenen Mund weisend, das Angebot ab. Und vergisst darüber wieder einmal, einstige Zugehörigkeiten und die geleisteten Schwüre zu erwähnen. „Wer will mir das Wasser, den Kelch, den bis zum Rand mit Wasser gefüllten Kelch reichen?“ Scheint seine Haltung auszudrücken. „Bleibt mir bloß weg mit eurem Zeug, ich trällere nicht, ich trapse.“ Aber die Ernte, die Trommel, aber die Wörter! Aber die Worte und ihre Bedeutung, aber die Trommel. Mit zuckenden Waden. Und Zucker, wie Baisers. Mit Aalen und Köpfen – das ist Gold, literarisches Gold, dynamitpreisverdächtig. Wirklich keinen Zug…

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Das Wechseltier

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In letzter Zeit fühle ich mich seltsam. Die ersten paar Jahre dachte ich, das ginge von selbst vorüber. Es geht ja alles ständig von selbst vorüber, wie mein Vetter Sebastian nicht müde wird zu erwähnen. Da ich den Beginn des Jahres gerne nutze, um Dinge zu erledigen, die sich im Laufe des vergangenen zu einem unförmigen Haufen aufgetürmt haben, suchte ich meinen Hausarzt auf. Hin und wieder kann es nicht schaden, etwas anzupacken, dachte ich mir. Der Arzt brummte anerkennend vor sich hin, während er mich mit seinem Stethoskop abhörte und mit einem Lämpchen in meinen Hals und meine Ohren…

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