In den Tagen der Angepasstheit, wo das Essen nicht mehr blutet, die Habenichtse hingegen schon, drehen die Autoren der Edition Groschengrab den Mist des Lebens zu Perlen. Worte suchen ihren Weg ins Freie. Die Edition Groschengrab hat es sich zur Aufgabe gemacht sie einzufangen. Die Buchdeckel müssen einladend sein, denn die Texte sind widerspenstig und eigenwillig: Sie gehen nicht mit Jedem. Das Anliegen ist, ihnen einen bequemen Platz einzurichten, wo sie sich gerne lesen lassen.

AUS DEM GROSCHENGRAB

Literarisches & Aktuelles

Seltsame Attraktoren

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Vielleicht müssen wir nur noch eine Weile an den Stäben rütteln. Irgendwann wird schon jemand aufmerksam werden. Jemand, der die Verantwortung trägt. Sie wird ja zweifellos getragen, wenn auch heimlich, wenn nicht sogar im Geheimen. Das ist verständlich. Wer würde das schon offen zugeben? Man stolziert nicht auf und ab und ruft: „Ich bin zuständig!“ Nur Schwachköpfe und Knallprotze tun das. Die wahren Strippenzieher handeln im Verborgenen. Das kann man überall nachlesen. Und wer nicht lesen kann, lässt es sich vorlesen. Und wer niemanden kennt, der sieht sich einen Film an. Und wer keine Augen hat, verlässt sich auf sein…

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Maledictus II: Der Förster

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Genug Zeit ist jetzt vergangen. Fiktives strömt einem aus dem Mund, wenn man nur abwartet, den Kopf schief legt und die Lippen spitzt: Der Tag neigt sich seinem Ende entgegen; bestimmt wird gerade an einem anderen Ort die Ernte eingefahren; ein Landwirt grüßt auf dem Trecker gewiss den Förster, den er zwar nicht leiden kann, und den er diffus fürchtet, der aber immerhin mit ihm zur Schule gegangen ist (oder wie man damals sagte ‚der mit ihm zusammen die Schulbank drückte‘), der dann in die Stadt zog, um Forstwirtschaft zu studieren. Der Landwirt war Landwirt geworden, weil sein Vater schon…

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Stoßzeit

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Bekanntermaßen ist der Planet überfüllt, wie ein Bahnwaggon zur Stoßzeit. Stoßzeit. Kein schönes Wort. Aber so sagt man eben. Früher hätte es geheißen, man solle etwas zusammenrücken, wenn es eng wird, aber heute darf man das nicht mehr. Niemand weiß mehr genau, wie man sich richtig verhält und was erlaubt ist. Außer meinem Nachbarn, dem guten Bormann. Er ist der moralische Kompass der Hausgemeinschaft, und wir alle sonnen uns im Leuchten seines Beispiels. Zudem ist er der Vetter des bösen Bormanns, doch von dem will ich lieber schweigen, sonst vergesse ich meine gute Kinderstube. Neulich begegnete ich ihm in der…

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Am Rande eines Krisengesprächs

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Sebastian Waligora, MdB: Wer spricht denn hier von einem Schritt in die richtige Richtung, wer spricht denn hier überhaupt von einem Schritt? Ekelhard, ein Subalterner: Nun, ich nicht. Ich nicht. Mich würdest Du auch dann nicht hören, wenn ich gefoltert würde. Sebastian Waligora, MdB: Dann ist ja gut. Man kann nicht vorsichtig genug sein. Man weiß nie, wann man die Grenze des Noch-Erlaubten überschreitet. Ekelhard, ein Subalterner: Mich würde man nicht hören, wenn man mir Zigaretten auf der nackten Brust ausdrücken würde. Sebastian Waligora, MdB: Schon gut. Ich habe verstanden. Ekelhard, ein Subalterner: Kein Wort, kein Ton käme über meine…

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