In den Tagen der Angepasstheit, wo das Essen nicht mehr blutet, die Habenichtse hingegen schon, drehen die Autoren der Edition Groschengrab den Mist des Lebens zu Perlen. Worte suchen ihren Weg ins Freie. Die Edition Groschengrab hat es sich zur Aufgabe gemacht sie einzufangen. Die Buchdeckel müssen einladend sein, denn die Texte sind widerspenstig und eigenwillig: Sie gehen nicht mit Jedem. Das Anliegen ist, ihnen einen bequemen Platz einzurichten, wo sie sich gerne lesen lassen.

AUS DEM GROSCHENGRAB

Literarisches & Aktuelles

Unspektakuläres Zimmergrün

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Man kann mir vieles nachsagen, aber mangelnde Bescheidenheit auf keinen Fall. Schon als Kind habe ich klaglos die zu klein gewordenen Butterbrote meines Bruders aufgegessen. Auch als alle anderen Kinder im Pleistozän ein Megatherium zu Weihnachten bekamen, war ich mit einem Averner Tapir zufrieden. Kein Wunder also, dass ich keine mondänen Topfpflanzen mag. Im Grunde bin ich überhaupt keine Freundin von Botanik im Haus. Grün ist außerdem heutzutage bekanntlich versifft und ich plage mich auch so schon genug damit, wenigstens den Anschein von Sauberkeit zu vermitteln. Aber irgendwas braucht man doch, damit die Leute einen nicht für einen Lebensfeind halten….

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Irgendwas mit Fleisch

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Am Morgen saß ein Stück Fleisch am Küchentisch. Es hatte keinen Teller, aber es sah aus, als hätte es Zeit mitgebracht. „Du kannst nicht einfach hier sitzen“, sagte ich. Das Fleisch antwortete nicht. Ich stellte ihm Kaffee hin. Es rührte ihn nicht an. Dann fragte ich, ob es Zucker wolle. Ich wusste nicht mehr, ob ich mit einem Stück Fleisch sprach oder mit jemandem, den ich vergessen hatte einzuladen. Gegen Mittag musste ich zur Arbeit. Ich ließ die Tür offen. Für den Fall, dass das Fleisch hinauswollte. Als ich abends zurückkam, war der Stuhl leer. Auf dem Tisch lag ein…

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Zu viel zum Leben, zu wenig zum Sterben

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In letzter Zeit fragen mich die Leute ständig, was der Unterschied zwischen einem Schakal und einem Kojoten ist. Und das obwohl ich mir schon vor Jahren angewöhnt habe, „Fragen Sie mich bloß nichts! Ich bin in allen Dingen Laie.“ zu sagen, sobald ich jemanden kennenlerne. Als sei ein Laie das gleiche wie eine Fachperson, hat mir das den Ruf eingebracht, über alles und jeden genau Bescheid zu wissen. Der eine kommt in Afrika und Asien vor, der andere in Amerika, das weiß jedes Kind, dazu muss man weiß Göttin kein Zoologe sein. Durch Tiefstapelei und Chuzpe bin ich also an…

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Und kalt ist es auch

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Ich werde immer klüger. Und das ist ein Problem. Schon seit Kindertagen mit außergewöhnlichen intellektuellen Fähigkeiten ausgestattet, fand ich mich früh in einer Position der Einsamkeit und Isolation, gegen die für mich als Einzelnen nicht anzukämpfen war. Egal, was ich auch versuchte und probierte, nichts half, um meiner überbordenden Intelligenz Herr zu werden. Ich drehte mich im Kreis bis ich umfiel, schlug mir schwere Bücher, Nachschlagewerke, Atlanten und Gesamtausgaben auf den Kopf, rannte in voller Geschwindigkeit mit der Stirn zuerst gegen die Wände und Türe meines Kinderzimmers, nichts half. Ich versuchte früh mit allem, was greifbar war, mein Gehirn zu…

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