In den Tagen der Angepasstheit, wo das Essen nicht mehr blutet, die Habenichtse hingegen schon, drehen die Autoren der Edition Groschengrab den Mist des Lebens zu Perlen. Worte suchen ihren Weg ins Freie. Die Edition Groschengrab hat es sich zur Aufgabe gemacht sie einzufangen. Die Buchdeckel müssen einladend sein, denn die Texte sind widerspenstig und eigenwillig: Sie gehen nicht mit Jedem. Das Anliegen ist, ihnen einen bequemen Platz einzurichten, wo sie sich gerne lesen lassen.

AUS DEM GROSCHENGRAB

Literarisches & Aktuelles

Das Neurodiversum

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„Am wütendsten bekämpfen diejenigen die Barbarei, die über die eigene nur ein dünnes Mäntelchen gezogen haben.“ Der Satz trifft Amigdala Pelzfuß unvorbereitet. Am Nebentisch sitzt ein Pärchen, dessen Mündern Blasen entweichen, die einen halben Meter über den Köpfen der beiden einen wilden Tanz aufführen. Seine gleichen dicken bunten Hummeln. Die der Frau klackern wie Glitzerperlen. Stoßen die Blasen zusammen, gibt das ein Geräusch, als ließe man ein frisch gewaschenes Baby in einen Topf mit Vanillesoße plumpsen. Amigdala möchte sich strecken und eine von ihnen fangen und kosten, doch das scheint ihr unschicklich. Sie hat noch nie jemanden etwas Derartiges tun…

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Nostalgia

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Jeden Tag eine Meile Bockspringen, jede Stunde einen Einlauf. Jeden Sonntag einen Bohneneintopf, jeden Sommer ein Glas Kirschen. Kirschen bringen Glück, so sagte man schon im Alten Japan, so sagt man heute noch in Kamerun; im Griechenland der Antike kannte man noch keine Kirschen. Dort färbte man Oliven rot und hängte sie in die Bäume. Die alten Griechen sind mittlerweile tot. Und all ihre Feinde auch. Geblieben sind die Oliven an den Zweigen. Die leuchten im Mondschein den Fischern den Weg zum sicheren Hafen, sind Unterpfand der dortigen Wirtschaft und noch immer Leitmotiv für manch jungen Wandersmann. Eines beschäftigt mich…

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Arbeit statt Strafe von Daniel Boente – Blick ins Buch

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Nur weil man sich in einer Realität zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort wohlfühlt, hat man keinen besonderen Anspruch auf Zugang zu dieser speziellen Wirklichkeit. Das Universum schuldet niemandem etwas. Auch nicht Friedrich Eisleben, der eines Morgens einen Anruf bekam und der sich jetzt vor dem beigefarbenen Gebäude wiederfindet und ein letztes Mal an seiner Zigarette zieht, bevor er sie mit der Hacke seines Stiefels zertritt. Seit dem Vorstellungsgespräch hat er das Tageslicht gescheut, bis spät am Nachmittag im verdunkelten Schlafzimmer gelegen und sich die Decke über den Kopf gezogen, wenn die Außenwelt zu ihm vordringen wollte. Er…

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Sieben Jäger zu Fuß

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An einem Morgen wie tausend anderen erwacht einer der schwarzen Jäger vom tiefen Brummen einer Hummel neben seinem Ohr. Abends zuvor hatte er noch geglaubt, ein Katarrh schliche sich in seinen Rachen, doch jetzt spürt er den Schmerz des Zeitalters in den Knochen. Keine der Arzneien aus seinem Rucksack wird dagegen helfen, und so steckt er sich eine ramponierte Zigarette an, das einzig wirksame Mittel gegen solche Leiden. Er schließt die Augen, umklammert seinen leeren Becher und träumt ihn sich gefüllt mit schwarzem bitter-süßen Gebräu. Es dauert nicht lange und seine Gefährten erwachen vom Duft seiner Vorstellung. Sie scharen sich…

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