In den Tagen der Angepasstheit, wo das Essen nicht mehr blutet, die Habenichtse hingegen schon, drehen die Autoren der Edition Groschengrab den Mist des Lebens zu Perlen. Worte suchen ihren Weg ins Freie. Die Edition Groschengrab hat es sich zur Aufgabe gemacht sie einzufangen. Die Buchdeckel müssen einladend sein, denn die Texte sind widerspenstig und eigenwillig: Sie gehen nicht mit Jedem. Das Anliegen ist, ihnen einen bequemen Platz einzurichten, wo sie sich gerne lesen lassen.

AUS DEM GROSCHENGRAB

Literarisches & Aktuelles

Das Birnenmännchen

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Nachts in die Sterne starren, bis einem die Augäpfel gefrieren. So weint man keine Träne. Was will man mehr? Der Wind soll einem das Haar zausen, aber mit Bedacht. Mit Rosen bedacht sogar. Ein mit Näglein bestecktes Kind begehrt zu wissen, warum es verlassen wurde. Der Schlaf sitzt in einer Ecke und schmollt. Auf seiner Schnute kann man schaukeln bis zur Erschöpfung, das wird ihn nicht milde stimmen. Hätte man einen eigenen Wirt, könnte man sich Humpen für Humpen in die Kehle gießen, bis man einen kugelrund schwappenden Bauch bekäme. Auf dem könnte man trommeln und damit Geister aus den…

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Ein Biss in den Himmel

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Heute bin ich wohl Hyperion, der Sonne Sohn. Ich harre aus, versenge die sieben Haare, die mir blieben. Ich will, sagst du und meinst es nicht. Ich will den Boden unter allen Füßen spüren. Ich will, dass Launen mich aus meinen Tälern führen. Ich will halt das Gesamtpaket. Ich will, dass immer jemand vor mir steht und zeigt, wie’s weitergeht, wenn’s weitergehen muss. Jetzt: Schluss. Und wenn es dann zu Ende ist, man schnell die Intention vergisst, warum man überhaupt mal angefangen hat zu husten. „Wir haben ein Problem“ als Echo vergessener Zeiten. „Jetzt werden andere Saiten aufgezogen, vom rechten…

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Der Krieg und der Kohl

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Schnurgerade klebt die Straße auf der Erde und schneidet das Land in zwei Hälften. Links und rechts liegen bis zum Horizont Kohlköpfe in ordentlichen Bahnen und neigen die Häupter beschämt zur Seite. Das muss die weite Welt sein, von der man überall liest. Gebeine und Tod und Gräben und geschundenes Land haben die Menschen in ein Tohuwabohu gestürzt. Daraus wuchs der Wunsch, dem Grauen der Friedhöfe die harmlose Langweiligkeit nicht enden wollender Reihen von Kulturpflanzen entgegenzusetzen. Für jeden Gefallenen ein Kreuzblütler. Es drängt mich, die Kohlköpfe durcheinander zu wirbeln oder ein paar Palmen dazwischen zu Pflanzen, denn wo Palmen sind,…

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Studium der Lage

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Lass mich raten, als nächstes wirst du behaupten, es gäbe viel zu wenig Advokaten in der Runde, pro Stunde singe ich leise einmal jedem seine Lieder, ich muss jetzt gehen, beim nächsten Mal sehen wir uns wieder. Ich falle auf, ich falle hin, umfasse Bildung wie einen Bottich, wie ein Gefäß. Ich rieche, rieche Menschenfleisch. In allen Belangen war die Richterbank befangen. Zwölf Mal Feuerreiter grüßt gedanklich wohl sein Kuckuckskind; das Wesentliche ist per Definition für immer einfach. Ich denke acht Augenblicke lang das Eine, acht Augenblicke irgendetwas anderes: Eine Vestalin wollte Seilchen springen. „Was sollen die Leute denken?“, wird…

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