Zu viel zum Leben, zu wenig zum Sterben

In letzter Zeit fragen mich die Leute ständig, was der Unterschied zwischen einem Schakal und einem Kojoten ist. Und das obwohl ich mir schon vor Jahren angewöhnt habe, „Fragen Sie mich bloß nichts! Ich bin in allen Dingen Laie.“ zu sagen, sobald ich jemanden kennenlerne. Als sei ein Laie das gleiche wie eine Fachperson, hat mir das den Ruf eingebracht, über alles und jeden genau Bescheid zu wissen. Der eine kommt in Afrika und Asien vor, der andere in Amerika, das weiß jedes Kind, dazu muss man weiß Göttin kein Zoologe sein.

Durch Tiefstapelei und Chuzpe bin ich also an meinen Job beim Wahrheitsamt gelangt. Aber nur in Teilzeit, weil ich wegen meiner Bandscheiben nicht mehr den ganzen Tag arbeiten kann. Wenn irgendwann die Einberufung zum Sterbedienst in Ihrem Briefkasten liegt, treffen Sie mich dort, sofern der Termin am Vormittag stattfindet. Dann sprechen wir über Ihre Aufgeblasenheit. Wie Sie sich denken können, habe ich jede Menge zu tun. Die Kollegen in der Abteilung für Tötung von Gottestieren hingegen können den lieben langen Tag Illustrierte lesen und im Internet shoppen. Dafür stinkt es bei denen im Büro nach Aas. Licht und Schatten, sage ich immer. Am Schluss werden Sie dann gewogen und dann entscheidet sich das weitere Vorgehen nach Ihrem Gewicht.

Jedenfalls brauchen Sie sich wegen dem Bescheid keine Sorgen zu machen. Die meisten Delinquenten werden mit Fristverlängerung wieder nach Hause geschickt und dann in eine amtliche Maßnahme gesteckt. Es wäre schon ein außerordentlicher Zufall, wenn Sie direkt beim ersten Termin dran glauben müssten. Das ist bei mir noch nie vorgekommen. Versprochen.