Man kann mir vieles nachsagen, aber mangelnde Bescheidenheit auf keinen Fall. Schon als Kind habe ich klaglos die zu klein gewordenen Butterbrote meines Bruders aufgegessen. Auch als alle anderen Kinder im Pleistozän ein Megatherium zu Weihnachten bekamen, war ich mit einem Averner Tapir zufrieden.
Kein Wunder also, dass ich keine mondänen Topfpflanzen mag. Im Grunde bin ich überhaupt keine Freundin von Botanik im Haus. Grün ist außerdem heutzutage bekanntlich versifft und ich plage mich auch so schon genug damit, wenigstens den Anschein von Sauberkeit zu vermitteln. Aber irgendwas braucht man doch, damit die Leute einen nicht für einen Lebensfeind halten.
Die Verkäuferin im Gartencenter hat leere Augen unter ihren falschen Wimpern, die mich an diese fleischfressenden Pflanzen erinnern. Sie spitzt die Lippen und scheint zu überlegen, was sie mir empfehlen soll.
Bevor sie etwas sagen kann, fliehe ich und bombardiere lieber ein unsympathisches Bundesland. Mir doch egal, was die Leute denken.