Klar nicht eben

Bei vielen Menschen ist das Leben eine Linie. Es fängt irgendwo an, geht dann eine Weile lang mehr oder weniger gerade oder auch verschlungen dahin und am Ende hört es wieder auf. Mein Leben hingegen ist ein Teppich.

Klar, kein sonderlich kunstvoll gefertigter und hochwertiger Teppich, jeder Teppichknüpfer würde mitleidig lächeln, wenn ich auf einem Basar damit daherkäme, aber ich war ja noch gar nie auf einem Basar und werde auch in nächster Zeit nicht hingehen. Was sollte ich auch dort, inmitten einer Unmenge von Leuten, die ihre Ware feilbieten, um Preise feilschen, Geldbörsen stehlen und am Ende mit dem Gefühl nach Hause gehen, ein Schnäppchen gemacht zu haben. Dazwischen riecht es nach Räucherwerk und es gibt Gebäck mit Rosinen. Da bleibe ich lieber Zuhause.

Nicht, dass ich überhaupt von einem Basar erzählen wollte, nein, ich wollte von den Knoten erzählen, die sich an manchen Stellen meines Lebensteppichs befinden. Wahrscheinlich gibt es auch in den linienförmigen Leben solche Knoten, aber da die Leute immer voranschreiten und nicht, wie ich, bald hierhin und bald dorthin spazieren, fallen die Knoten nicht so auf und man stolpert auch nicht darüber und sie drücken einem auch nicht unangenehm in die Pobacke, wenn man auf einem zu sitzen kommt.

Eben habe ich wieder so einen Knoten bemerkt. Vor einigen Jahren sind mir ein paar Fäden durcheinander geraten, aber ich war zu beschäftigt oder unwillig, um sie in Ordnung zu bringen. Vielleicht habe ich auch voller Trotz dem Inhaber der Fäden zugerufen: „Pah, ich lass das jetzt so! Du wirst schon sehen, was du davon hast! Mir macht so ein bisschen Wirrwarr gar nichts.“ Dass am Ende – oder zumindest jetzt, denn das Ende ist ja hoffentlich noch fern – ich sähe, was ich davon hätte, habe ich in dem Moment nicht bedacht. Das passiert mir häufig, Dinge im Moment nicht ausreichend zu bedenken, weil meine Momente immer so kurz sind, dass ich keine Zeit zum Bedenken habe. Genau wie jetzt. Jetzt muss ich nämlich versuchen, ob ich auf meinem Teppich nicht davonfliegen kann, bevor mir noch die Tränen kommen wegen diesem niemals mehr aufzulösenden Knoten.