Mit der Wirklichkeit möchte Wilhelm Borezcs nichts mehr zu tun haben. Wer ihn von früher kennt, vermag sich das kaum vorzustellen.
„Der alte Willi ist doch immer übergequollen vor lauter Wahrhaftigkeit und Realitätssinn. Das kann ich mir ja gar nicht vorstellen“, würde zum Beispiel Franz Speck, sein Banknachbar aus dem Gymnasium, sagen, wenn er von davon erführe.
Aber es stimmt. Seit nämlich Wilhelm Borezcs im Keller seines Hauses die Wirklichkeitsmaschine entdeckt hat. Zunächst dachte er, es sei eine von diesen modernen Heizungen, die Wärme aus den Tiefen der Erde hervorlocken, damit man günstig ein Bad nehmen kann, bis der Planet am Ende ein ausgekühlter Klumpen Stein ist, auf dem selbst die Kakerlaken kalte Füße bekommen. Aber als er bei der Hausverwaltung nachfragte, sagten die, das sei ein von der Regierung gefördertes Forschungsprojekt, das ihn nicht zu bekümmern brauche. Sie könnten dadurch die Mieten um fünfundzwanzig Prozent reduzieren, ob er das noch nicht bemerkt habe.
Hatte er nicht und es bekümmerte ihn.
Bald fand er heraus, was es mit der Wirklichkeitsmaschine auf sich hat: Die Wirklichkeitsmaschine frisst Aufrichtigkeit, Wut, Gedanken, Schöpfergeist, Zärtlichkeit und vor allem frisst sie Empathie. Sie frisst Wahrheit und scheißt Wahnsinn aus.
Mit so etwas möchte Wilhelm Borezcs absolut nichts zu tun haben.