Das Mißliebchen

Prolog
Verdichtung muss durch Schichtung entstehen, nicht durch Dehnung. Jeder Takt verdoppelt, um klaustrophobische Enge zu zementieren, ohne den harten Aufschlag der Silben zu dämpfen.

I. Statik
Wand an Wand. Wand an Haut. Kaltes Echo in den Fugen. Mißliebchen kauert. Mißliebchen harrt. Der Raum wird eng, der Raum wird Fleisch. Die Zeit steht steif. Die Zeit wird Stein. Sekunden tropfen schweres Blei. Schatten rücken. Wände rücken. Das Zimmer atmet Staub der Jahre. Atem flach, flach, fest. Kein Entrinnen aus der Geometrie.

II. Bruch
Wort splittert. Wort schneidet. Die Zunge vergisst das Weiche, das Warme. Mißliebchen greift ins Leere, greift ins Nichts. Die Ränder der Welt fransen aus. Sprache bricht. Boden bricht. Das Fundament der Sätze gibt nach. Mißliebchen wird Schatten, wird Staub, wird Strich. Ein Riss geht durch Gedächtnis, tief und stumm. Alles Gefüge löst sich im Weiß der Seite auf.

III. Takt
Silbe für Silbe. Schlag für Schlag. Das Herz ist eine Uhr aus rostigem Blech. Mißliebchen mahlt. Mißliebchen kreist. Die Gedanken drehen sich in diesem hohlen Kreis. Das Echo scharrt. Das Echo schleift. Eine Antwort, die sich selbst verzehrt. 60 Tropfen Blei pro Minute in den Adern. Blei im Verstand. Die Last der Buchstaben drückt Mißliebchens Kinn auf Brust. Zwang zur Wiederholung, bis das Blut den Rhythmus lernt.

IV. Null
Licht löscht. Lärm löscht. Die Schwärze hinter den Lidern gewinnt. Sehnt Weißes Rauschen, Weißes Nichts herbei. Das Schweigen zwischen den Absätzen wird absolut. Mißliebchen bleicht. Mißliebchen schwindet. Die Konturen verlieren ihren Namen. Punkt. Stille. Punkt.

Epilog
Vom Mißliebchen kein Nachhall, keine Spur im Sand. Die Leere am Ende der einzige Text, der besteht