Der Klick kam nicht von außen, nicht einmal aus dem Schädel selbst, nur ein leises Einrasten im Raum zwischen den Nerven, ein Geräusch ohne Resonanz, eine Ahnung von Schaltkreis, der sich schließt. Leo spürte es zuerst im linken Schläfenlappen, ein Flackern, wie eine defekte Neon-Leuchtreklame, die plötzlich den exakten pH-Wert des Bodens unter einem namenlosen Gummibaum in einem verlassenen Gewächshaus in der Nähe von Nowosibirsk übermittelte: 6,7; dann die genaue Anzahl der Nieten einer Cessna 182, Baujahr 1978, in einer Vitrine eines Hobbykellers in Leeds: 1.243. Es war die Panama Connection, so taufte er die sinnlose, unablässige Blutung von Fakten, die ihn ohne Warnung überrollte, ein digitales Rauschen, das aus keinem bekannten Äther stammte, direkt in die Synapsen geschnitten.
Die Informationen waren nie nützlich. Nie von Bedeutung. Ein Splitter des Bewusstseins, der ihm die Farbe des dritten Nagels am kleinen Zeh eines schlafenden Schimpansen im Tierpark von Antwerpen übertrug – ein leicht vergilbtes Elfenbein. Oder das genaue Gewicht des staubigen Samtbands, das eine Urne in einem kolumbianischen Mausoleum zierte: 4,7 Gramm. Die Welt dehnte sich aus, wurde zu einem unendlichen Archiv nutzloser Daten, das direkt in seinen Kopf eingespeist wurde, eine verzerrte Realität aus Mikrofakten, die in keinem Kontext standen, nur reine, ungefilterte Existenz. Die Connection war eine permanente Entführung der Aufmerksamkeit, ein Zwang, den falschen Kanal zu empfangen.
Leos Umgebung wurde zur Kulisse, eine Art verschwommener Vordergrund der gestochen scharfen Unwirklichkeit der „Übertragungen“. Die Geräusche der Straße, das Summen seines Kühlschranks, sogar die Stimme seiner Nachbarin, der Kinder im Hof – alles wich dem Rauschen, dem Einblenden fremder, distanzierter Details. Er saß im Café, das Kaltgetränk in seiner Hand verschwamm, während seine innere Netzhaut die exakte Anzahl der Regentropfen, die in der letzten Stunde auf ein bestimmtes Fensterbrett in Bangkok fielen, aufleuchtete: 34.789. Die Grenze zwischen dem Hier und dem Dort löste sich auf, zerbröselte unter dem Gewicht irrelevanter Wahrheiten.
Manchmal, mitten in der Nacht, wenn die Stille die empfangenen Signale verstärkte, schien die Panama Connection selbst eine Art Intelligenz anzunehmen. Nicht eine sprechende Stimme, eher ein Pulsieren von Absicht, eine dunkle Ahnung, dass diese zufälligen Datenfragmente keine bloßen Zufälle waren, sondern sorgfältig ausgewählte Nadelstiche in die Matrix der Realität. Dann spürte Leo die winzige Vibration im Kleinhirn, das den genauen Farbton des Schattens, den ein einsamer Kaktus im Morgengrauen auf den Wüstensand in Arizona wirft, übertrug: Pantone 448 C, Dunkelolivgrün. Gedanken zuckten, ein permanenter Strom aus nirgendwo nach nirgendwo? Nirgendwo ist Panama.