Herdenimmunität – Eine Polemik

Es gibt so schöne Wörter. Wenn sie am rechten Platz sind. Nehmen wir ‚Zwei- Staaten-Lösung‘. In der Levante scheint es einzig als Wort zu funktionieren, in Ostdeutschland gar nicht. Zugegeben, ein zweifelhaftes Beispiel, weiter zum nächsten: ‚Schwarmintelligenz‘. Man denkt, das wäre ein einfaches Konzept: Je mehr Leute, desto größer das gesammelte und anwendbare Wissen. Die sozialen Medien, besser bekannt als der tägliche Tauchgang in der Jauchegrube, beweisen, dass Schwarmintelligenz ein Traum, ein eitler Traum ist. Ebenso wie ‚Herdenimmunität‘. Die Herde ist so stark wie ihr schwächstes Schaf. Zusammen ist sie weniger stark als die Summe ihrer Mitglieder.
Gemeinsam sind wir stark. Solidarität und so. Aber habt ihr je eine Gruppe von Junkies erlebt? Dabei ist der Junk an sich unerheblich, egal ob Infos (Präsentiert von der Anwaltskanzlei Klatsch, Tratsch & Desinformation), ob Opiate, ob Benzin, die Junkies sind als Gruppe schwach, schwächer, am schwächsten, wenn ihr Trieb befriedigt wird.
Was uns zurück zur Erde führt. Quatsch, zur Herde, natürlich. Die Herde und ihre Immunität. Bin ich auch klug oder meine strenge Verlegerin oder meine Leserschaft, können wir trotz unserer kombinierten Klugheit, die Welt nicht vor ihrer Dummheit, und nicht einmal vor ihrem schlechtem Geschmack, schützen.
Literarische Herdenimmunität, der Schule des Groschengrabs vornehme Aufgabe, bleibt unser vergeblichster Traum. Dagegen sind Frieden in der Levante, der Sieg der Aufklärung in der SBZ oder eine gerechte Weltordnung ein Pipifax. Was auch ein schönes Wort ist. Am rechten Platz.