Randnotiz

Die Welt birgt keine Geheimnisse. Nichts, was nicht dutzende Male von jedem Einzelnen schon gedacht worden wäre.

„Oh, wie klein und unbedeutend der Mensch doch ist!“, denkt Herr Gimpel laut, als er sich in einer lauen Nacht den Sternenhimmel besieht.

Frau Gimpel beeilt sich ihm beizupflichten, denn sie weiß, dass seine Geduld begrenzt ist. „Angesichts der Unendlichkeit ist der Mensch nur eine Randnotiz, eine Laune des Zufalls.“

Ihr Mann nickt grimmig und schiebt sein Kinn vor, denn er weiß von Fotografien und dem Blick in den Spiegel, dass dieser Gesichtsausdruck den energischen Anteil seiner Persönlichkeit unterstreicht und betont.

„Und gerade deshalb“, sagt er in Hinblick auf die Bedeutungslosigkeit menschlichen Seins, „und gerade deshalb ist es wichtig, dass der Mensch immer Mensch bleibt.“

Frau Gimpel entfernt eine Fluse vom Ärmel ihrer Bluse. „Ist es nicht offensichtlich“, fragt sie ihren Mann, „dass das Leben nur durch die Liebe so etwas wie Wert bekommt? Das liebevolle Miteinander als Zweck und Ursache?“

Doch soweit will Herr Gimpel nicht gehen. „Lass mal gut sein! Es hat schon alles seinen Sinn.“

Seine Frau wartet ab, ob er noch etwas hinzufügen möchte, schaut ihn voll Bewunderung an und seufzt, dass es fast wie lustvolles Stöhnen klingt.