Mit einem satten Schmatzen schließt sich die Autotür hinter Paula Pelzfuß. Sie richtet den Rückspiegel ein und betrachtet kurz die kleinen Tränensäcke unter ihren Augen. Obwohl sie täglich mit gesalzenen Fingern darauf herumklopft, wie es die Dame in dem Video gezeigt hat, verschwinden sie nicht. Einige Jahre lang glaubte sie, sie müsse nur ein paar Mal richtig ausschlafen, dann gingen die wieder weg. Mittlerweile denkt sie, dass es vielleicht am Alter liegt und irgendwie dazugehört. Mittlerweile denkt sie auch manchmal, dass die Dame in dem Video womöglich eine Lügnerin ist und ihre Geheimnisse zur Wiedererlangung der Jugend allesamt nur Geschichten aus dem Böhmerwald sind. Andererseits: Warum sollten Leute in Videos gratis unwirksame Phantasie-Tipps in die Welt hinausposauen? Das wäre doch sinnlos.
Paula Pelzfuß dreht denn Zündschlüssel und lauscht dem Blubbern des Motors. Sie fährt langsam durch die kleinen Straßen und biegt schließlich auf die Schnellstraße ein. In ihrer Jugend hat sie das oft gemacht. Einfach herumfahren, ohne Ziel, ohne Termin, ohne Sinn. Die Musik laut aufgedreht, einen Becher Kaffee in der Mittelkonsole und eine Zigarette im Mundwinkel. Das Gefühl mit der Welt verbunden und gleichzeitig ganz für sich in der Blechblase eingeschlossen zu sein. Manchmal hatte sie einen Herzensmenschen mitgenommen. „Lass uns ein bisschen herumfahren“, sagte man damals. Heutzutage kann man das nur noch heimlich machen. Und am Ende hat man ein schlechtes Gewissen. Wegen dem Klima und der Umwelt und so. Aber heute, denkt Paula Pelzfuß, pfeift sie darauf, tritt das Gaspedal durch und denkt an eine Reise auf einem fliegenden Teppich.
Als die Nadel der Tankanzeige deutlich nach unten gewandert ist, bekommt sie doch ein schlechtes Gewissen. Und die Tränensäcke sind auch immer noch da. Paula Pelzfuß seufzt ihrer Jugend hinterher. Wie gerne würde sie jetzt irgendwo einkehren und mit den Leuten über Fußball, Musik und das Wetter plaudern. Aber das geht ja auch nicht mehr.