In den Tagen der Angepasstheit, wo das Essen nicht mehr blutet, die Habenichtse hingegen schon, drehen die Autoren der Edition Groschengrab den Mist des Lebens zu Perlen. Worte suchen ihren Weg ins Freie. Die Edition Groschengrab hat es sich zur Aufgabe gemacht sie einzufangen. Die Buchdeckel müssen einladend sein, denn die Texte sind widerspenstig und eigenwillig: Sie gehen nicht mit Jedem. Das Anliegen ist, ihnen einen bequemen Platz einzurichten, wo sie sich gerne lesen lassen.

AUS DEM GROSCHENGRAB

Literarisches & Aktuelles

Plädoyer für eine Dienstpflicht

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„Ein Griff zwischen die Beine hat noch keiner geschadet – soll niemand behaupten, ich hätte nichts als Flausen im Feldhemd gehabt.“ Stabsunteroffizier Tschurimuri lässt heute seine Medaillen und Orden putzen, philosophiert in typisch umständlicher Manier über das Verhältnis von Männern und Frauen und haucht heißen Atem in den Ausschnitt der seine Auszeichnungen auf Hochglanz wienernden Rekrutinnen. „Da soll nur jemand kommen und sich trauen, mir ins Auge zu blicken und zu sagen, dass das, was ich tue, Unrecht ist“, brummt er und zwinkert wollüstig. Die jungen Soldatinnen schlucken ihren Ärger, solche Reden führt der Stabsunteroffizier in quälender Regelmäßigkeit. Tschurimuri hat…

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Über dem großen Teich

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Gerhard Pelzfuß liegt bäuchlings auf dem Steg und späht durch den Spalt zwischen zwei Brettern in den großen Teich hinab. Unten tummeln sich Goldfische. Er betrachtet einen kleinen dunkelroten mit zerzausten Flossen und vielen Flecken, der sich direkt unter ihm hinter einer Wasserpflanze versteckt. Heute wäre sein Vater achtundsiebzig Jahre alt geworden. Manchmal versucht Gerhard Pelzfuß, ihn sich als alten Mann vorzustellen, aber das gelingt ihm nicht. Gerhards Vater war ein katholischer Buddhist gewesen, der nicht an Gott glaubte. Sein Geist war groß, deshalb waren solche Widersprüche kein Problem für ihn – nicht dass er keine Probleme gehabt hätte. Im…

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Farbenlehre

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Die Zeit war gekommen, dass ich vor dem Spiegel stand, als eine Hand die Oberfläche durchstieß und mich auf die andere Seite zog; der Sog ließ nicht nach bis ich mich auf einer Wiese wiederfand und ein alter Mann mir den Weg versperrte. „Willst du mein Gefährte sein?“, fragte er mit einem Unterton, der mein Misstrauen weckte. Ich schüttelte den Kopf, da packte er mich bei den Schultern – seine Finger bohrten sich schmerzhaft in mich. „Denn wisse: das Gras ist nicht grün, auch wenn es dir Gewohnheit geworden ist, es grün zu sehen.“ Er lockerte den Griff und raunte:…

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Am Tag, als der Regen kam oder was Bela Lugosi im Urwald widerfuhr

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Mit einem Papagei auf der linken Schulter stakste Bela Lugosi, Held unzähliger Filmklassiker und Ornithologe aus Leidenschaft, durch das Unterholz und hielt Ausschau nach dem Unentdeckten. „ … und ’ne Buddel voll Rum!“, krächzte der Vogel. Bela Lugosi griff in die Tasche seines Seemannsmantels und fütterte den gefiederten Freund mit Sonnenblumenkernen. „Still jetzt! Ich glaube, wir nähern uns dem Zielgebiet.“ Der Papagei legte den Kopf schief, kaute, hielt den Kopf in die andere Richtung, kaute weiter und nickte. Aus dem Dickicht erklang eine Stimme: „Geben Sie Acht, dass Sie nicht in die Grube fallen! Da werden Sie gleich durchbohrt, zack!…

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