In den Tagen der Angepasstheit, wo das Essen nicht mehr blutet, die Habenichtse hingegen schon, drehen die Autoren der Edition Groschengrab den Mist des Lebens zu Perlen. Worte suchen ihren Weg ins Freie. Die Edition Groschengrab hat es sich zur Aufgabe gemacht sie einzufangen. Die Buchdeckel müssen einladend sein, denn die Texte sind widerspenstig und eigenwillig: Sie gehen nicht mit Jedem. Das Anliegen ist, ihnen einen bequemen Platz einzurichten, wo sie sich gerne lesen lassen.

AUS DEM GROSCHENGRAB

Literarisches & Aktuelles

Para-Romantische Episode

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Worte wie Fellhandschuhe bereiten die Bevölkerung auf die verschiedenen Szenarien vor. „So schlimm wird es wohl nicht werden”, sagen die Bürger dann vor anderen. „So schlimm ist es doch schon!” hört man einen verwirrten Menschen in der S-Bahn versehentlich laut sagen. Wir anderen wringen unsere Lippen und schauen betreten aus den Fenstern. Auf dem Weg nach Hause stellt sich mir eine Birke in den Weg und wispert aufgeregt: „Du weißt, jetzt ist alles möglich.” Ich antworte stereotyp, dass es wohl so schlimm nicht werden wird. Meinem Rucksack entnehme ich einen Fellhandschuh und streichle eine ganze Weile ihre zarte Rinde, bis…

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Ruf der abendlichen Stadt, ungehört

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Eine Sommerbrise ermuntert das Laub der Bäume zur Tuschelei, darunter betören sich die Zikaden. Mein Kühlschrank, bis zum Bersten gemästet mit Räucherwurst und orientalischen Pasten, brummt zufrieden in der Dunkelheit. In der Ferne lodert ein Konflikt. Ich höre Gekreisch durch mein Fliegengitter, das mir unliebsame Besucher vom Halse hält. Eine Zusammenkunft ursprünglich feierlichen Charakters, von Alkohol und Drogen gelockerte Zungen sprechen Dinge aus, die sonst ungesagt bleiben, denn der Mensch will es sich in der Hülle des friedfertigen und moralischen Tiers gemütlich machen. Doch schon bald drängt langgehegter Groll zwischen die Ritzen des Futterals, angespitzte Worte durchdringen den Stoff. Ehe…

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Der Einsatz

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Exotisch aus der Wäsche schauend, messerlange Nägel kauend, Haar verkümmert, ausgebleicht, zu mehr hat’s heute Morgen nicht gereicht. Ein Schock, ein Mann tritt auf und spritzt zwei Salven ab – schnell die Zunge, ernst der Blick. Ich sage dir, ich sag‘ dir eins, nur eines noch, nur noch einmal und noch einmal und noch einmal: Hätte ich auch nur einen Cent für jeden Obdachlosenzeitungsverkäufer, wär‘ ich noch immer arm, bitterarm, denn Armut ist chronisch, nicht akut. Der Sommer ist groß, und ich baue kein Haus, schreibe keine Briefe mehr, und alle Passanten riechen nach Wurst und alten Fischbrötchen. Exotisch ist…

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Die letzte Ehre

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Gestern habe ich nach langer Zeit wieder einmal an meinen Patenonkel Pankraz gedacht. Das kommt selten vor, denn ich hasse ihn aus tiefstem Herzen, und das soll man ja nicht. Immerhin nahm er meine Eltern und mich auf, als wir unser Heim verloren hatten. Als Kind log ich, bis sich die Balken bogen. Die Nachbarn beschwerten sich, weil bei ihnen das Porzellan aus den Schränken fiel, und schließlich setzte uns die Vermieterin kurzerhand vor die Tür. Pankraz war ein Mistvieh von einem Menschen. Unter dem Vorwand, mir dies und das beibringen zu wollen, pflanzte er Unfug und Irrlehren in mich….

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