In den Tagen der Angepasstheit, wo das Essen nicht mehr blutet, die Habenichtse hingegen schon, drehen die Autoren der Edition Groschengrab den Mist des Lebens zu Perlen. Worte suchen ihren Weg ins Freie. Die Edition Groschengrab hat es sich zur Aufgabe gemacht sie einzufangen. Die Buchdeckel müssen einladend sein, denn die Texte sind widerspenstig und eigenwillig: Sie gehen nicht mit Jedem. Das Anliegen ist, ihnen einen bequemen Platz einzurichten, wo sie sich gerne lesen lassen.

AUS DEM GROSCHENGRAB

Literarisches & Aktuelles

Diebesgut

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Auch die Bescheidensten unter uns halten sich für etwas Besonderes. Gewiss, es ist verständlich. Durch einen dunklen Tunnel aus Fleisch, presst uns eine unsichtbare Macht mit Gewalt hinaus. Ohne Orientierung, fast blind und mit weicher Schädeldecke, betreten wir die Welt und sind angewiesen auf Güte, Futter und Information. Nach so einem Abenteuer gleich zu Beginn fühlt man sich eben außergewöhnlich. Sie vermuten ganz richtig, dass ich mir so eine weise Rede nicht selbst zurecht gedacht habe. Am äußersten Ende meiner Jugend weigerten sich meine Eltern, mir das Bummelstudium noch länger zu vergüten, und ich nahm eine Stelle als Klinkenputzerin im…

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Frühjahrstag, warm

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Ich wünschte, ich wäre der Schmetterling auf deinem Dekolletee. Das stelle ich mir lohnend vor: Als Bild auf deiner Haut die Welt zu betrachten. Du könntest mich herumtragen, mir all deine liebsten Stellen in der Stadt zeigen, deine Zufluchtsorte. Ich hingegen gäbe dir etwas Verwegenes, eine Aura des Aufruhrs im Rahmen des gesellschaftlich gerade noch Akzeptablen. So wäre uns beiden gedient; ich käme mal wieder raus und du könntest diejenige sein, die du gerne wärst und bist. Doch wer bin ich, dass ich es auch nur wagte, dich länger zu betrachten, als es in unseren Breiten schicklich ist? Passend dazu…

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Korkenzieherromantik

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Am Vorhang der Nacht hängt eine abgegriffene Kordel. Wenn mich die Sehnsucht packt, klettere ich daran hinauf wie ein Äffchen. Meine Mutter steht glotzäugig unten und ruft mir besorgt hinterher, das ginge so nicht. Im Mondlicht ringt sie die fahlen Hände und watschelt die Bühne auf und ab. Eine Weile klingt mir noch ihr Lamentieren in den Ohren, aber weiter oben pfeift der Wind und ich höre sie nicht mehr. Nur ihre Fäuste, die sie dem Himmel entgegen schüttelt, sind noch lange als weiße Punkte zu sehen. Ich setze mich auf das Mäuerchen am Ende der Troposphäre und warte voller…

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Die Polterer

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Vor gar nicht langer Zeit halfen mir die Polterer mein Leben zu meistern und zu gestalten. Die Polterer sah und hörte niemand außer mir und wenn sie des Nachts nicht durch meine Wohnung huschten und die Tätigkeiten verrichteten, die tagsüber liegengeblieben waren, hörte ich ihre Stimmchen in meinem Kopf. Sie stritten viel; obwohl sie es ‚debattieren‘ nannten, war viel leicht vernehmbarer Hass zwischen ihnen. „Seid still!“, rief ich ihnen eines Tages zu, als es in meinem Kopf mal wieder hoch herging. Kurz verstummten sie, doch bald darauf schnatterten sie lauter als zuvor. Ich beschloss, einen Spaziergang im Umland zu unternehmen,…

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