In den Tagen der Angepasstheit, wo das Essen nicht mehr blutet, die Habenichtse hingegen schon, drehen die Autoren der Edition Groschengrab den Mist des Lebens zu Perlen. Worte suchen ihren Weg ins Freie. Die Edition Groschengrab hat es sich zur Aufgabe gemacht sie einzufangen. Die Buchdeckel müssen einladend sein, denn die Texte sind widerspenstig und eigenwillig: Sie gehen nicht mit Jedem. Das Anliegen ist, ihnen einen bequemen Platz einzurichten, wo sie sich gerne lesen lassen.

AUS DEM GROSCHENGRAB

Literarisches & Aktuelles

Grundfließbild

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Zwei Abwasserrohre aus Stahl trafen sich an der Straßenecke und verfolgten die Konversation eines Paares, dessen beste Zeiten lang vergangen waren: „Ich habe es im Ohr. Jetzt warte doch mal! Ich komm gleich drauf.” „Hm, vielleicht ist die Melodie gar nicht so wichtig. Vielleicht reagierst du jetzt über.” „Aber es ist doch ‚Unser Lied‘. Erinnerst du dich nicht?” „Wir haben doch gar kein Lied. Wenn ich ein Lied habe, geht dich das überhaupt nichts an. Du hast vielleicht auch ein Lied, aber wen interessiert das schon? Du bist viel zu ich-fixiert. Denk doch nur einmal an andere! Mich zum Beispiel….

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Der Leprechaun

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Als es einmal nur noch Trümmer und Tränen gab, baute man darauf ein neues Reich. Artig nahm man jedes Steinchen in die Hände und gab ihm einen Platz und das Versprechen, für alle Zeit dort stehen oder liegen bleiben zu dürfen. Es ist ja nichts besonderes, etwas Neues zu beginnen, wenn das Alte in Schutt und Asche liegt und jeder sich wünscht, es wäre niemals da gewesen. Was bleibt einem schon übrig? Freilich, man könnte sich auch zum Sterben hinlegen, aber das ist nicht so einfach, wie man denkt. Der Körper klammert sich an das Leben und man muss ihm…

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Neues nicht so gut, Altes nicht so wahr

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Vieles passiert. Vieles passiert jeden Tag: Trauerfälle, Hochzeiten, Bindungen, Lösungen, unlösbare Situationen, Fortschritte, Rückschläge. Das an sich ist nichts Ungewöhnliches. Was es bemerkenswert macht, ist die Erkenntnis, dass Dinge auch ohne mein Zutun geschehen. Was wäre die Welt für ein Ort, frage ich mich, nähme ich wieder aktiv am Leben teil? Wäre ich beispielsweise mobil und wie noch im Sommer in der Stadt unterwegs, hätte ich wahrscheinlich vor einigen Tagen meinen alten Freund Viktor getroffen. Eine Supermarktkassenbegegnung, man kennt das ja: Und wie geht’s? Hast du inzwischen mal wieder was von der & der gehört? Ist sie noch mit soundso…

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Milchweiß

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Man ist in den wenigsten Dingen bewandert und lässt sich davon nicht stören. Dieser Gedanke gesellte sich zu Paul Pelzfuß, als er am Morgen in den Schnee vor seinem Fenster hinausblinzelte. Vielleicht lag es an dem grellen Weiß, das alles bedeckte und ihm auf die Nerven ging, aber nun störte es ihn doch. Das Jahr war noch jung und da er bisher noch keine Vorsätze gefasst hatte, nahm er sich vor, künftig nachzufragen, sobald er etwas nicht wusste. Als er für den zweiten Kaffee keine Milch mehr im Haus hatte, war es soweit. Er stand vor dem Kühlregal und betrachtete…

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