In den Tagen der Angepasstheit, wo das Essen nicht mehr blutet, die Habenichtse hingegen schon, drehen die Autoren der Edition Groschengrab den Mist des Lebens zu Perlen. Worte suchen ihren Weg ins Freie. Die Edition Groschengrab hat es sich zur Aufgabe gemacht sie einzufangen. Die Buchdeckel müssen einladend sein, denn die Texte sind widerspenstig und eigenwillig: Sie gehen nicht mit Jedem. Das Anliegen ist, ihnen einen bequemen Platz einzurichten, wo sie sich gerne lesen lassen.

AUS DEM GROSCHENGRAB

Literarisches & Aktuelles

Sectio Aurea

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Waltraud Fibonacci schneidet mit der Schärfe ihres Blicks Scheibchen von einem frischen Stück Seife. Befriedigt ob der glatten Schnittflächen, verlässt sie das Badezimmer und schaut sich, im Bewusstsein ihrer ungeheuren Macht, vorsichtig im Raum um: Ein Spiegel, im Lauf der Jahre stumpf und blind geworden, hängt an der Stirnseite ihres Bettes und erinnert sich vergangener Reflexionen. Die Fibonacci schnaubt und klaubt Brotkrümel vom Tisch. Sie presst die Krumen zu einem kleinen Brot zusammen und tunkt sie in einen Teller kalter selbsteingebrockter Suppe. An ihrem Fenster werden Zwillinge in einem Kinderwagen vorbeigeschoben. Waltraud Fibonacci schenkt ihnen keine besondere Beachtung. Mädchen wohl,…

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Morgengrauen

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Theo Klammheimer sitzt in der Dunkelheit und hält ein dick belegtes Wurstbrot auf dem Schoß. Das Knurren seines Magens scheucht ein kleines Tier im Unterholz auf. Nicht direkt im Unterholz. Eher im Gestrüpp. Er vermutet einen Igel, aber so genau kennt er sich mit Tiergeräuschen nicht aus und sehen kann man gar nichts. Das Tier nähert sich. Theo hält den Atem an. Das ist ihm noch nie passiert. Seit 17 Jahren sitzt er jede Nacht im Hof auf seinem Hocker und wartet auf den Sonnenaufgang, um sein Frühstück im ersten Morgenlicht einzunehmen. Noch nie hatte er dabei Gesellschaft und der…

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MB präsentiert – das Ende der Welt

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Martin Buber, verkleidet als Jesaja oder Darwin oder Marx, stand auf dem Rathausplatz und kraulte sich den Bart. „Höret!“, predigte er den Passanten . „Höret und bereuet euer Tun! Der Herr spricht, und ihr wisst es wohl, habe ich es euch schon zwei Dutzend Mal verkündet: Das Ende ist nah!“ Die empfänglicheren unter seinen Zuhörern schauten verängstigt zu Boden und erschauerten in fast wollüstiger Furcht. Mancher Vater hielt sein Kind im Arm und wiegte es hin und wieder her. Martin Bubers Augen blitzten im Sommersonnenlicht als Boten der Vergänglichkeit. „Wehret dem Widersacher, denn sein Reich ist nur auf Quarz gebaut!“…

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Ein deutscher Hund

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Thea Pelzfuß steht im Schatten eines Laubbaumes und schaut den Hunden auf der Wiese zu. Aufgeregt springen sie umher und jagen einander nach. Kläffen, Bellen, Knurren und Hecheln überall. Sie wollte den Singvögeln zuhören, aber daraus wird wohl nichts. Ein bärenartiges Tier kommt auf sie zugerannt. Thea Pelzfuß ist beunruhigt. Soll sie ein Stück Wurstbrot als Zeichen ihrer Friedfertigkeit anbieten? Freundlich lächeln oder versteht der Hund das als Zähnefletschen und wird von Blutdurst übermannt? Jedenfalls darf man keine Angst zeigen. Was aber zeigt man stattdessen? Bevor Thea mit ihren Gedanken ins Reine kommt, erscheint ein Mann in blauem Sportanzug und…

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