In den Tagen der Angepasstheit, wo das Essen nicht mehr blutet, die Habenichtse hingegen schon, drehen die Autoren der Edition Groschengrab den Mist des Lebens zu Perlen. Worte suchen ihren Weg ins Freie. Die Edition Groschengrab hat es sich zur Aufgabe gemacht sie einzufangen. Die Buchdeckel müssen einladend sein, denn die Texte sind widerspenstig und eigenwillig: Sie gehen nicht mit Jedem. Das Anliegen ist, ihnen einen bequemen Platz einzurichten, wo sie sich gerne lesen lassen.

AUS DEM GROSCHENGRAB

Literarisches & Aktuelles

Fälschung & Original

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Frau im Matrosenkleid wiegt sich zu einer Melodie im Dreiviertel Takt. Mann sitzt auf einem Küchenstuhl und zieht sich die Schuhe aus. Frau: Gefallsucht, Eitelkeiten und ’ne Buddel voll Rum. Ein Sehnen, das in mir liegt und nach der Weite des Ozeans weint. Mann: Geh, hol mir ein Glas Bier! Oder bring gleich die Flasche – ich habe einen Mordsbrand. Frau geht in die Küche. Mann schaut ihr hinterher, zieht die Socken aus, streicht sie auf dem Oberschenkel glatt und rollt sie zu einem Ball zusammen. Frau: Die Rhythmik des Wellengangs, die Frequenzen der Strömung. Alles fließt – alles ist…

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Frühstück mit Munch

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Das Meiste im Leben ist gemischt. Die Leute sagen, „Da fühlt man sich wie zu Hause“ und schon will man nicht hin. Heute morgen fand ich Edvard Munch in meiner Kaffeetasse. Erst habe ich mich gefreut, nicht mehr allein zu sein, aber er wurde gleich unangenehm. Er trug einen Stock, mit dem er überall gegen schlug, um zu prüfen, ob die Dinge Bestand hätten. Hatten sie natürlich nicht. Sie zerplatzten, wie Pusteblumen aus Angst oder liefen davon und ließen Empörung und Bedauern zurück. Einzig ein angefangener Alexandriner hielt stand und sang voller Trotz Spottverse aus meinen Kindertagen. Edvard Munch wurde…

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Stammvaters Söhne

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Ein Musste-Sehen, der Ort zu sein. Nein, DER Ort, wo man gewesen sein muss. Der Ort, an dem die Zeit einst stehenblieb. Haste nicht gesehen, haste echt noch nichts gesehen. Und wenn in deinem Leben du nur einen Ort noch sehen könntest, wähle diesen! Weiterbetrieb wie Wetterbericht wie Erbenverzicht wie des Bruders Lieblingslinsengericht, schon wird aus Zweit- die Erstgeburt. Kennt jemand die geheime Zutat? Ich verwende Federstrich und Nackenschlag, erhöhe den Takt, das Denkvermögen und Vaters Erbe ist jetzt meins. Und wenn der alte Patriarch erst stirbt, der jüngste Sohn das Grab bewirbt: Kommt nach Hebron, seid da oder bereut…

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Eschaton

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In der Bahn nimmt Frieda Pelzfuß am liebsten den Platz am Ende des Waggons. Letzte Reihe in der Mitte. Die Sitzfläche ist etwas schmaler als die der Bänklein für zwei Personen, so dass man alleine viel Platz hat, aber nicht genug, um einen Sitznachbarn fürchten zu müssen. Frau Pelzfuß hat das Großraumabteil im Blick: Fahrscheinkontrolleure, herumalbernde Schüler, Mütter mit Kinderwagen, Sittenstrolche und Trunkenbolde. Sie bemerkt jeden. Ein junger Mann in einem Laborkittel steigt zu. Er führt einen großen, dicken Hund an einer Leine. Das Tier trägt einen Sprengstoffgürtel, das ist bei der Jugend der letzte Schrei. Der Hund legt sich…

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