In den Tagen der Angepasstheit, wo das Essen nicht mehr blutet, die Habenichtse hingegen schon, drehen die Autoren der Edition Groschengrab den Mist des Lebens zu Perlen. Worte suchen ihren Weg ins Freie. Die Edition Groschengrab hat es sich zur Aufgabe gemacht sie einzufangen. Die Buchdeckel müssen einladend sein, denn die Texte sind widerspenstig und eigenwillig: Sie gehen nicht mit Jedem. Das Anliegen ist, ihnen einen bequemen Platz einzurichten, wo sie sich gerne lesen lassen.

AUS DEM GROSCHENGRAB

Literarisches & Aktuelles

Keine Liebesgeschichte

By

„Um eine vernünftige Geschichte über das Nichts zu verfassen, braucht man einen unverstellten Blick auf die Dinge. Erst wenn man alles vor Augen hat, erkennt man, dass ziemlich viel Platz neben der Materie bleibt – Unendlichkeit zwischen den Atomen. Zwar wird der eigene Schritt durch diese Erkenntnis nicht unbedingt sicherer und es häufen sich Vorkommnisse wie Gegen-Türen-und-Wände-Laufen, doch die Begegnung mit den Mitmenschen wird ungeahnt erfüllend. Großes Ehrenwort.“ Die Gräfin Karaszek nickt und saugt jedes Wort begierig auf. Sie ist eine Dame in ihren mittleren Jahren, prall gefüllt mit Temperament, niemals ein Gefühl der Alltäglichkeit im Miteinander aufkommen lassend. „Kein…

Read More

Im falschen Licht

By

Wer die Bahngleise entlang geht, vorbei am Krötenteich und den Birken, gelangt bei Regenwetter an einen Parkplatz. Der gehört zu einem Billigmöbelhaus. Darin wohne ich, zusammen mit dem Hundekönig Attila. Während der Geschäftszeiten treiben wir uns zwischen den Lagerregalen herum oder stehlen Hackfleischklöße von Tellern im Schnellrestaurant. Abends lümmeln wir auf den Sitzgarnituren und starren glotzäugig auf die Fernsehgerätattrappen. Bei klarem Himmel ist alles anders. Den Parkplatz kann man nicht finden. Stattdessen ein Wäldchen aus Laubbäumen. Sonnenscherbenmuster auf dem Waldboden, wie Fetzen gestreifter Jacken. Die Füße schwingen im Moos, als ginge man auf Taschenfederkern. Wir haben kein Dach über dem…

Read More

Geschichten aus der Depression – Teil Soundsoviel

By

„Wenn ich es Ihnen sage: ich stehe hier, ich kann nicht anders. Und sie bewegt sich doch.“ Trotzig hebt Herr Rabe die Faust und lässt sie vor den Nasen ausgedachter Feinde beben; er ist nicht länger willens, die Demütigungen und die ihm entgegengebrachte Missachtung dieses besonderen Personenkreises hinzunehmen. „Wer sich mit mir in die Gefilde der Gefahr begibt“, knurrt er, „kommt darin um.“ Eine besonders vorwitzige Widersacherin grinst ihn frech an; Herrn Rabe ist sie schon seit langem ein Dorn im Auge, ein Splitter im Blickfeld; sie ist eine der übelsten Gestalten, die er je erdacht hat. Er betrachtet sie…

Read More

Der Specht

By

„So war das zu meiner Zeit nicht!“, ruft mir der alte Herr zu, der das Kämmerchen nebenan bewohnt. Es gibt einen bestimmten Zeitpunkt im Alter, wo man zugleich schwerhörig und geräuschempfindlich ist. Von dort ruft er mir das zu. Ich weiß weder, wann seine Zeit war, noch wann sie zu Ende ging. Er ist ein unangenehmer Mensch, hat Freude am Zwist und am Unglück der anderen. Zudem stinkt er ein bisschen. Trotzdem habe ich einen Heidenrespekt vor ihm; schließlich ist es ihm gelungen, nach Ablauf seiner Zeit noch auf seinem kleinen Balkon zu stehen. Ein richtiger Balkon ist es nicht….

Read More