Schlimmer als Tiberius

Tiberius war klein. Nicht nur klein im gewöhnlichen Sinne, sondern so, als hätte man ihn mit Absicht geschrumpft, bis die Welt um ihn herum zu einer bedrohlichen Ansammlung gigantischer Gegenstände wurde. Das Tischtuch ein Ozean aus Stoff, und jede Schuhsohle ein Hochplateau. Er hatte einen winzigen Bart, der ihm bis zum Bauchnabel reichte, falls man einen solchen bei seiner Statur hätte ausmachen können.

Eines Mittwochs versuchte Tiberius, eine Fliege von der Wand zu vertreiben. Er holte einen Besen. Der Besen war natürlich viel zu lang und viel zu schwer. Er schwang ihn über seinem Kopf, verlor das Gleichgewicht und fiel in den Kohlenkasten. Dort blieb er eine ganze Stunde sitzen, nicht etwa, weil er nicht herauskam, sondern weil es dort warm war und er die Fliege verdrängt hatte.

Als man ihn fand, war er schwarz vom Ruß. Man fragte ihn, was er dort mache. Tiberius schaute auf die Fliege, die inzwischen auf seinem Hut saß und ihre Beinchen rieb. „Sie ist immer noch da“, sagte er, als wäre das die wichtigste Erkenntnis des Tages. Er hustete ein wenig Ruß und wurde dann wieder vergessen.