Zu viel der Kunst

„Eine Tageszeitung namens Fake News herausgeben, gedruckt mit der finstersten Druckerschwärze von anno Dazumal auf säuregebleichtem Umwelttodesschockpapier. Drin steht die brutale Wahrheit ohne Schnörkel und Flauschpölsterchen. Die Leute bekommen bei der Lektüre schwarze Finger und Hustenanfälle, die Abonnenten sogar Krebs oder Pseudokrupp. In den Redaktionsräumen mit Drogen vollgepumpte Journalisten, die Ketten rauchen und Schnaps trinken, damit sie die Realität unbeschadet betrachten können, von der sie anschließend in Leitartikeln und Glossen erzählen. Apropos Glosse, da fällt mir ein, wussten Sie, dass Lip Gloss das englische Wort für Mundpropaganda ist? Nein? Das dachte ich mir. Da fällt mir ein es heißt Mundpropaganda, nicht Mund-zu-Mund-Propaganda. Wenn schon müsste es Mund-zu-Ohr-Propaganda heißen. Mund-zu-Mund-Propaganda wäre nämlich etwas ganz Anderes; irgendwas Säuisches von Wilhelm Reich oder so. Ist mir egal, ob das mittlerweile auch im Duden steht, das ist doch ohnehin das reinste Systemwörterbuch. Um auf diese Tageszeitung zurückzukommen: Haben Sie Interesse, das Projekt zu mäzenieren? Den gerade in Zeiten wie diesen ist die Welt auf die Kunst angewiesen und die Kunst auf Menschen wie sie. Also, raus mit dem Zaster! Nein? Na dann lenken Sie doch wenigstens Ihren Kombi auf den Kinderspielplatz dort hinten. Dann sind Sie morgen auf Seite 1.“