Der Traum der Maschine

Mein Vater ist ja mehr oder weniger weltbekannt für seine Erfindungen und Konstruktionen. Wer erinnert sich nicht an den Hilfsflottentränenföhn oder die Frontfriteuse, beides Gerätschaften, die den Teilnehmern an internationalen Konflikten nie dagewesenen Komfort bescherten.

Als ich ein Kind war, hatten alle meine Schulkollegen einen Jausenwolf zuhause und ohne Prellklammern fuhr niemand in den Urlaub. Natürlich gab es auch Dinge, die nie über unser Heim hinaus Bekanntheit erlangten. Die Infraschall-Knödelpresse zum Beispiel.

Von all den Maschinen, die mein Vater erdacht und gebaut hat, bin ich die am wenigsten gelungene. Bereits bei der kleinsten Beanspruchung knarze, brumme und knacke ich, dass man sich sorgt, ich bräche sogleich entzwei. Pflege und Wartung sind anspruchsvoll und zeitintensiv, während die Aufgaben, für die man mich einsetzen kann, im Alltag kaum bis gar nicht vorkommen. Ich passe in keine Handtasche, mein Wirkungsgrad ist gering und ich kann mich nie entscheiden. Mein Vater hätte mich damit getröstet, dass ich eben ein Prototyp bin.

Ich will nicht lange lamentieren, dafür bin ich nicht gemacht. Aber manchmal wäre ich schon gerne eines von diesen begehrten Dingern, ohne die kein Haushalt der Welt auskommen kann. Oder so ein kleines Gerät, dass man stets mit sich trägt und sanft streichelt, obwohl es weder nützlich noch schön anzusehen ist.

Mir gefiele auch, wenn ich die Menschheit etwas weniger spüren würde und eine Sprengkraft von 50 Megatonnen hätte. Und dazu noch keine Skrupel. Das wäre was. Andererseits, es gibt ja bereits Leute, die sind so, wozu braucht man dann noch eine Maschine? Träumen darf man aber.